Traumabewältigung

Nachdem die Hinreise über den See für mich ein Grenzerlebnis war, musste dieses Trauma irgendwann mal bewältigt werden. Und siehe da – aus Trauma wurde Traum!

Zunächst ging es von Metangula mit einer Chapa nach Cobue. Diese Chapa ist das einzige öffentliche (Straßen-)Verkehrsmittel nach Cobue. In etwa täglich fährt eine irgenwann am Vormittag in Metangula los. An der Ecke, wo es losgehen sollte stand ein Kleinlaster. Das sollte also mein Verkehrsmittel für heute sein. Immer voller sollte die Ladefläche werden bis endlich alle Sachen verstaut waren. Dann durften wir einsteigen oder besser aufsteigen. Völlig überladen mit Menschen und allem, was man zum Leben so braucht, ging es dann endlich los. Meine Hacke war dabei meine Lebensversicherung: eingeklemmt zwischen einem Karton und dem Rand der Ladefläche. Fünf Stunden ging die Fahrt über die unasphaltierte Straße. Als es dann noch zu regnen begann und wir einfach eine Plane über all den Passagieren festhielten, war das Reiseerlebnis perfekt. Bei Sonnenuntergang erreichten wir endlich Cobue, wo ich schon auf meiner Anreise genächtigt hatte, und ich checkte wieder in meiner kleinen Strandhütte ein.

Am folgenden Morgen fand ich schnell den Zöllner, der mir ohne weiteres den Stempel in den Pass drückte, und so konnte ich am Strand auf ein Boot warten, das mich nach Likoma Island brachte. Auf dem Hinweg hatte ich von der kurzen Überfahrt einen so starken Sonnenbrand bekommen, dass ich diesmal vorgewarnt war. Gut gegen die Sonne geschützt quetschte ich mich aufs Boot und war voller Zuversicht. Doch als das Boot immer mehr zu schaukeln begann, kamen die Erinnerungen des Hinwegs wieder hoch. Letztendlich war es dann aber doch kein Problem und wir erreichten Likoma in weniger als einer Stunde.

Dort angekommen musste ich noch ein quer über die Insel wandern. Eigentlich sind 45 Minuten gar kein Problem, aber mit zwei Taschen – eine auf dem Rücken und die andere in afrikanischen Stil auf dem Kopf – und dann noch Steile Pfade… Es war kein Spaß bei der Hitze. Aber es hat sich gelohnt! Angekommen an meiner Unterkunft waren dort insgesamt sechs Leute und wir hatten unsere Hütte direkt an einer kleinen Bucht mit tollem Strand und quasi einem Aquarium davor. Eine Nacht wollte ich dort bleiben und dann am nächsten Tag weiter nach Chizumulu reisen.

Abends und am Morgen telefonierten wir mit dem Kapitän des Bootes: “Ja, wir fahren!” Also ging es zeitig am Morgen wieder samt Gepäck quer über die Insel, um das Boot zu bekommen. Diesmal war ich mit einem Paar aus Südafrika unterwegs. Als wir um zwanzig vor acht am Anleger standen, kam auch der besagte Kontakt zu uns und wir vergewisserten uns, dass das Boot wirklich fahren sollte: “Ja, um acht Uhr!” “Ok, dann gehen wir noch schnell etwas zu essen holen.” “Beeilt euch aber!” Fünf Minten später waren wir wieder am Anleger. “Oh, tut mir leid, wir fahren heute doch nicht!” “Gut, dann bleiben wir eben hier.”

Es sollten noch vier tolle Tage auf Likoma werden mit Wanderungen, langen Abenden, Strandleben, Schnorcheln und einfach nur Entspannung. Es war einfach nur schön, besonders wenn ich an den Regentag zurückdenke, den ich auf der Anreise hier verbracht habe.

Vier Tage später schien am Morgen die Sonne, eine leichte Brise erfrischte uns den erneuten Weg zum Anleger und das Boot war auch eine Nummer größer als auf dem Hinweg. Fünf Stunden über den See mit viel Platz, ohne Regen, Sturm und Wellen. Fast wie eine Kreuzfahrt! Auf halben Wegen kam und dann noch ein anderes Boot entgegen. Es war genau das Boot, auf dem ich einige Zeit vorher um mein Leben gefürchtet hatte. Es war wieder total überfüllt, aber machte einen wesentlich besseren Eindruck als zuvor. Ich war jedoch froh auf dem großen Boot in die andere Richtung nach Nkhata Bay zu fahren, wo wir am späten Nachmittag ankamen.

Abends war ich natürlich wieder in der selben Lodge wie auf dem Hinweg, ich blickte über die Bucht auf den See hinaus und dachte: “Was für eine tolle Reise, was für ein toller See!” Aus Trauma wurde Traum!

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