Roadtripping Pt. 2

Nach einem anstrengenden und staubigen Tag auf Buschpisten hatten wir am zweiten Morgen endlich Asphalt unter dem Gummi. Hinter Songea begann sich die Straße über saftig grüne Hügel zu winden. Am Straßenrand Dörfer mit kleinen Ständen für frisches Obst. Bananenbäume und Ananasplantagen säumten die Hänge. Wenigen Autos begegneten wir an diesem Vormittag, aber doch deutlich mehr als am Vortag. Die Fahrt kam uns vor wie in einer Achterbahn – links und rechts, hoch und runter. Dazu noch ein atemberaubender Ausblick. Oft war nur der Horizont die Grenze der Buschlandschaft. So habe ich mir die große Weite Afrikas vorgestellt.

Nach einigen Stunden auf so einer schönen Straße trafen wir auf Tansanias Hauptstraße, die Ost und West miteinander verbindet. Und plötzlich mussten wir uns die Straße mit unzähligen Lastwagen teilen und um unsere Position kämpfen.  Mehrmals an diesem Tag sahen wir verunglückte Fahrzeuge, in denen sicher einige Menschen ihr Leben verloren hatten.

Irgendwann rief Isabelle: ‚Assungo’ – weißer Mann. Außer den uns bereits bekannten Gesichtern in Mosambik und unseren Gästen hatten wir schon lange keine anderen Weißen gesehen. Und so wurde jedes Mal an diesem Tag, wenn wir einen Weißen sahen, laut ‚Assungo’ gerufen.

Manchmal macht man sich während der Autofahrt das Leben leicht und folgt einfach dem Vordermann. Ich weiß noch genau, dass es ein grauer Pick-up mit zwei Personen auf der Ladefläche, die uns die ganze Zeit anstarrten, war, dem wir hinterherfuhren. Irgendwann bemerkten wir eine stehende Fahrzeugkolonne auf unser Spur. Wir dachten uns nichts dabei und folgten dem Pick-up. Als er jedoch durch eine Schranke fuhr und wir nicht durften, stellten wir fest, dass es eine Baustelle war und der Verkehr nur einspurig. Als uns dann die Bauarbeiter erklären wollten, dass wir zurückfahren und uns hinten einreihen sollten, verstanden auf einmal plötzlich kein Englisch mehr. Anstatt dessen quetschten wir uns ganz vorne in die Reihe und stellten den Motor ab. So überholt man in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Autos. Ich weiß nicht, ob es eine Strafe war, aber im selben Moment begann es wie aus Eimern zu regnen und hört erst wieder auf, als wir unser Tagesziel erreicht hatten. Nachdem die Schranke geöffnet wurde, mussten wir einem dreirädrigen ‚Alberto-Pizza’-Auto durch die Baustelle folgen, bevor das Renne um die besten Plätze wieder eröffnet war. Dreimal ging das ganze so bis wir endlich auf einer neuen Straße fahren konnten. Neu war jedoch nicht nur die Straße, sondern auch die unzähligen Bremshügel. Genervt von den ganzen Hügeln fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang den letzten Anstieg hinauf nach Iringa und hatten unser Tagesziel erreicht.

Da es in unser Unterkunft keine gekühlten Erfrischungsgetränke gab, ging es direkt weiter in die nächstgelegene Lokalität. Kurze Zeit später tauchte der erste ‚Assungo’ auf, und dann der zweite und dritte bis wir am Ende rund 15 Leute waren. Und wie es der Zufall so wollte, waren viele von ihnen dafür verantwortlich, dass wir an diesem Tag so oft ausgebremst wurden. Es war ein langer und schöner Abend und wir versprachen auf dem Rückweg wiederzukommen.

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