Dem Himmel ein Stueck naeher

Auf meiner Suche nach dem Dalai Lama bin ich ein gutes Stueck vorangekommen. Ich bin in McLeod Ganj, 2083m NN; das ist da, wo er wohnt.

Da ich jetzt einige Zeit hier verbringen werde, weil ich hier einen Grossteil meiner Forschungen anstelle und tibetisch lerne, moechte ich zunaechst einmal ueber die Menschen, die hier so sind, etwas erzaehlen:

Da gibt es die Hippies. Wenn man verrueckte Menschen kennenlernen will, dann hier. Manche sind Weltreisende, die so viele unglaubliche Geschichten erzaehlen koennen, dass man den ganzen Abend unterhalten ist. Es gibt hier hunderte verschiedene Yoga- und Meditationskurse, Tantra, Massagen… Manche Leute, die ich hier getroffen habe, waren im Kloster, in dem man nicht miteinander sprechen oder sich gegenseitig in die Augen schauen darf. Manchmal wird hier auf der Strasse spontan Musik gemacht und getanzt. Die Leute sind echt crazy.

Die Einheimischen sind zum Grossteil geflohene Tibeter. Bisher habe ich sie als sehr ehrliche Menschen wahrgenommen, die einen nicht ueber den Tisch ziehen wollen. Leider sind viele von ihnen sehr arm und wenig gebildet. Die Lebensweise der Menschen hier ist im Vergleich zu unserer sehr langsam. Wenn man im Restaurant etwas zu Essen bestellt, kann man locker auch mal bis zu einer Stunde warten. Getraenke gehen ein klein wenig schneller.

Die Inder, die hier sind zu einem Grossteil Touristen oder fleissige Geschaeftemacher. Viele indische Touristen kommen nach McLeod Ganj, um sich mal so richtig auszutoben – und das richig! Zu den hier lebenden Indern nur ein Satz: “Everything’s possible, no problem.”

Die Glaeubigen: Hier muss man zwischen Esos, Pilgern sowie Nonnen und Moenchen unterscheiden. Es sind echt viele Nonen und Moenche, die sich im “Grossraum Dalai Lama” rumtreiben. Leider habe ich bisher nicht so viele von ihnen kennengelernt, ausser meiner Lehrerin. Meine Lehrerin ist eine alte, sonnengegerbte, putzige Nonne, die uns sehr streng die Ausprache der tibetischen Buchstaben beibringt.
Der Obermoench hat gestern eine oeffentliche Audienz gegeben, zu der Veith, Malte und ich gehen wollten. In den Tempel durften wir leider keine Telefone und Kameras mitnehmen. So musste also das gute alte Schick-Schnack-Schnuck entscheiden, wer draussen warten musste. Dort an der Tuer trafen wir einen Kanadier, der seine gute Kamera einfach unserem Verlierer (ich war es nicht) in die Hand drueckte. Wir verabredeten uns, dass wir uns nach der Audienz in einem Strassencafe treffen wuerden. Nach fast einer Stunde hatten wir keine Lust mehr zu warten, jedoch eine Kamera. Irgendwann, so nach zwei Stunden, fuhren wir zufaellig an ihm vorbei. Er hatte sich nie Sorgen um seine Kamera gemacht; das nennt man Vertrauen.

Es gibt hier so viele verschiedene Menschen und Charaktere, ich koennte noch vieles weitere erzaehlen. Ich bin hier sehr gluecklich. Bald mehr…

This entry was posted in Indien, unterwegs. Bookmark the permalink.